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Rosa-Rote-Rückblicksbrille auf die Leipziger Buchmesse 2026

ein Gastartikel von Finnja Schmidt

Finnja Schmidt und Anne Friebel von Palomaa Publishing auf der Leipziger Buchmesse 2026
Finnja Schmidt und Anne Friebel von Palomaa Publishing auf der Leipziger Buchmesse 2026

Wie war die Leipziger Buchmesse für unsere Praktikantin Finnja?

Ich starte die Leipziger Buchmesse eingequetscht in der Bahn zwischen Besuchenden und noch mehr Besuchenden. In der warmen stickigen Tram tuckern wir zum Messegelände, auch wenn ich mich vorher informiert hatte, wo ich hingehen muss, bin ich erschlagen von der Größe des Geländes. Als Kind schon mal dagewesen und jetzt von der anderen Seite, die Buchmesse zu erkunden finde ich spaßig, stelle ich mir spannend und aufregend vor und bin dann doch ganz schön überfordert mit den Eindrücken, den vielen fremden Menschen und der neuen Situation.


Wir teilten uns den Stand mit „Wasser“ Publishing und ganz nach deren Motto „Wasser ist 
niemals einsam“ hatte ich durch Steffi und Julia eine ganz tolle Zeit auf unseren acht Quadratmetern.

 

In diesem Getümmel den eigenen Platz zu finden, hat einen Tag gebraucht und von da an konnte ich genießen, konnte großartige Menschen kennenlernen, habe spannende Geschichten gehört und inspirierende Gespräche geführt. Bei uns am Stand haben sich die Menschen getroffen, die genau den Austausch gesucht haben, den ich mir gewünscht hatte und das hat mir ganz viel Freude bereitet, sodass ich fast vergaß, dass meine Knie, Hüfte und Füße vom ganzen Stehen schmerzten.

 

Ich habe Nancy Hochstein und Alexandra Polunin auf der Bühne zugehört, die beiden haben aus ihren Büchern „Ehrenfrau“ und „She works hard for no money“ vorgelesen und darüber gesprochen, was Arbeit im feministischen Sinn bedeutet und warum vor allem Frauen unbezahlte Arbeit machen. Auch andere Verlagsautorinnen waren bei uns am Stand. Sarah Pfaffeneder („Wir sind eine Frau“) und Marsha Richarz („MitMachtSpiel“) haben weite Wege und weniger weite Wege auf sich genommen, um auf die Buchmesse zukommen, grade deswegen fand ich es schön auch mal die Person hinter den Büchern persönlich kennenlernen zu dürfen.

 

Zu meinen weiteren Highlights gehörten zwei Frauen, die neugierig zu unserem Stand traten, auf der Suche nach einem Einstieg in feministische Lektüre. Sie erzählten mir davon, dass sie früher selbst „Hausfrauen“ gewesen seien und heute mit einem ganz anderen Blick auf ihr Leben schauen. Die beiden hatten eine Leichtigkeit und einen Witz in ihrem Erzählen, welches mich ganz schön beeindruckt hat. Da gingen die Buchtipps gleich viel leichter von der Zunge ;).

 

In meinen Pausen bin ich selbst durch die Hallen gelaufen, habe immer wieder bekannte Gesichter gesehen, habe natürlich Bücher gekauft und bin im rot orangenen Sonnenuntergang nachhause gefahren. Gleichzeitig wird mir während der ganzen Gespräche bewusst, wie wichtig feministische Arbeit ist und warum wir vor allem jetzt nicht mehr damit aufhören dürfen. Grade, weil ich merke, dass bei dem Wort Feminismus immer noch die Augen gerollt werden, dass Männer scheinbar blind für unseren Stand waren und ich eine kollektive Wut über die aktuellen Geschehnisse rund um Collin Fernandez gefühlt habe, wie ich sie vorher nicht kannte.

 

Es gibt noch zu viel patriarchale Gewalt an allen Orten und dass wir alle nicht müde werden die zu benennen und uns weiterbilden, weiterlesen, weiter zuhören, zeigte mir der Austausch auf der LBM und gibt mir ein kleines bisschen Hoffnung.

Hoffentlich bis nächstes Mal!